Aus Sicht der Mama:
Die Geburt meiner Tochter hat mein Leben auf einen Schlag sehr verändert. Nichts ist mehr so, wie es vorher war. Das ist allerdings nicht nur negativ gemeint.
Vor der Geburt war ich Vollzeit berufstätig. Die Tage waren meist geprägt von vielen Termin, Besprechnungen, Streß, Dienstreisen. Durch die Arbeit bezog ich meine Anerkennung.
Als Louisa geboren wurde, hatte ich mich dazu entschieden, als Mutter zu Hause zu bleiben, um mich der Erziehung zu widmen. Zunächst mal für ein Jahr...
Die Behinderung stellte mich plötzlich vor eine Herausforderung. Es scheint, man kann das alles nicht bewältigen. Auf der einen Seite ist die tiefe Liebe zum Kind, auf der anderen Seite ist alles fremd, neu und unbekannt. Als Mensch, der bisher die Zeit im Büro verbracht hat, war ich plötzlich mit epileptischen Anfällen, Überwachung der Vitalfunktionen, vielen lateinischen Begriffen aus der Arznei- und Medizinwelt, mit verschiedenen Therapieformen usw. konfrontiert. Aber ich sollte (möglichst die richtigen) Entscheidungen für Louisa treffen. Wie aber, wenn man sich nicht auskennt?
Das kam alles mit der Zeit und damit auch die Veränderung in und bei mir selbst. Louisa hat mich gelehrt, geduldig zu sein, die kleinen Dinge des Lebens zu erkennen und zu genießen, den Augenblick wahrzunehmen, und auch den Schmetterling zu sehen, der auf einer Blume sitzt. Die Sichtweise auf das Leben hat sich verändert. Dinge, die vorher vermeintlich wichtig waren, verloren an Bedeutung, dafür gewannen andere an Bedeutung. Die Anerkennung kommt heute durch ein (bezauberndes) Lächeln von Louisa. Sie sagt mir damit, es geht mit gut und ihr habt alles richtig gemacht.
Heute weiß ich, daß jeder Tag ein ganz besonderer, einzigartiger Tag ist, der in dieser Weise so nie wiederkehrt. Ich versuche, ihn bewußt zu erleben. Ich tue alles dafür, daß es Louisa gut geht und sie die notwendige Förderung und Zuwendung bekommt, die sie braucht, um sich in ihrer Welt zurecht zu finden und auf ihre Weise glücklich zu sein.
Ich bin sehr dankbar, daß es Dich gibt!
Deine Mama